Unsere Empfehlung:

Unter weitem Himmel

BERIT GLANZ

Olier, der junge Fischer, der 1906 mit einer französischen Segelschiffflotte aus der Normandie in die isländischen Fischfanggründe ausläuft, und die Genetikerin Maris, die 2024 auf Island forscht, sind die beiden Haupt-Pole dieses Island-Romans, der die rauen, weniger bekannten Seiten dieser faszinierenden Insel erkundet. Dazu kommt Sólrúns Tagebuch, das Maris auf einem Bauernhof in den isländischen Ostfjorden in die Finger bekommt. Aus diesen drei Perspektiven spinnt Berit Glanz einen komplexen Spannungsbogen, der menschliche Beziehungsgeflechte über ein Jahrhundert erzählt und tief in die Geschichte Islands eintaucht. Die alltägliche Lebensgefahr auf den Segelschiffen durch Stürme und Krankheiten macht Glanz ebenso greifbar wie Maris Verlorenheit, da sie ohne lebende Verwandte auf einer Insel gestrandet ist, in der Familienbande existenziell sind. Diese zweite Ebene, auf der entlang der Liebesgeschichten von Olier und Sólrún und Maris und Adam kulturelle Identität reflektiert wird, offenbart, wie seit jeher Menschen zu neuen Ufern aufbrechen und in der Verbundenheit mit geliebten Menschen Heimat finden. (Tina Schraml)

Berlin Verlag, 256 Seiten, 24 Euro

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