Unsere Empfehlung:

MINNESOTA

JO NESBÖ

Übersetzt von Günther Frauenlob

Dass Jo Nesbø keine Lust mehr hat, den typischen Strickmustern von Krimis zu folgen, ist nachvollziehbar, liest er doch selbst lieber Knausgård. Zunächst tritt hier ein Schriftsteller auf, der 2022 in Minneapolis einem vergangenen Verbrechen nachspürt. Kurz darauf springt der Text in dessen Roman und zu Ermittler Bob Oz, der von seinen Kollegen One- Night-Bob genannt wird. Oz scheint ein so unangenehmer Charakter, der „alles vögelt, was nicht bei drei auf dem Baum ist“, dass man mutmaßt, Nesbø wolle alle Schreibschulen Lügen strafen, die lehren, man solle dies seinen Leser*innen nicht antun. Falls er diese Absicht hegte, zeigt er, was alles möglich ist, wenn man weiß, wie. Oz, der sich mit seiner rüden Art in die Suspendierung boxt, ist ein zutiefst verletzter und einsamer Mann, der deshalb den abgründigen und zielstrebigen Serienmörder, der es auf NRA-Mitglieder und Waffennarren abgesehen hat, als einziger zu verstehen scheint. Wie schon Nesbøs Serienmörder zuvor hat der einige Tricks in petto. Erneut sind es Intelligenz, Abgebrühtheit und der Erfindungsreichtum, die den großen Bogen tragen, an dessen Ende nicht nur Oz, sondern sogar sein Widersacher bis zu einem gewissen Grad zum Sympathieträger werden. (Meike Dannenberg)

Ullstein, 416 Seiten, 24,99 Euro

Minnesota